ZEN in der Fotokunst
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ZEN in der FOTO-KUNST

Auf die Einladung eines Bekannten, an einem Fotokurs zur ZEN Foto-Kunst teilzunehmen, erhielt ich von diesem die ehrliche Antwort: "Dies ist nicht mein Weg!" Selbst wenn man die Erwiderung als ein (von ihm ungewolltes) ZEN Bonmot werten möchte ' "Es gibt keinen Weg, aber wir müssen ihn gehen ..", so kann seine eindeutige Aussage als Hinterfragung dienen: Gibt es denn mehrere Wege zur Kunst? Deshalb die nachfolgenden Zeilen.

Vorbemerkung:
Die nachfolgenden Texte hinken sämtlich innerhalb der Passagen, in denen persönliche Erfahrung vonnöten ist. Der Inhalt von der Leere / dem Nichts / der Absichtslosigkeit lässt sich nicht eindeutig beschreiben, sondern nur erfahren bzw. erlernen. Worteklauber müssen dies berücksichtigen, besser: selbst mit dem Studium beginnen. Die nachfolgenden Aufsätze beleuchten verschiedene Aspekte der ZEN Foto-Kunst wie der Fotografie allgemein. Mitunter ergeben sich Wiederholungen, die jedoch eher das Verständnis zur ZEN Foto-Kunst vertiefen helfen.

Kurzfassung des Wesens der ZEN Foto-Kunst:
Die ZEN Foto-Kunst ist eine Gestaltungsart, bei der die Entstehung des Kunstwerkes von Absichtslosigkeit und Gewahrwerdung dominiert wird. Es findet über die Begegnung mit der (inneren und äusseren) Natur eine nachhaltige Ausbildung des ureigenen Wesens statt. Der Fotoapparat steht nicht im Mittelpunkt des Geschehens, er fungiert eher als Skizzenblock. Die Grundsätze der ZEN Foto-Kunst sind auf jede andere Kunstform übertragbar.




ZEN Foto-Kunst oder: Einen Grashalm kennenlernen: Möglichkeiten und Grenzen der Foto-Kunst.

Der Leitsatz altchinesischer Maler: "Wenn Du einen Tiger malen willst, musst Du erst selbst einer werden!" gilt uneingeschränkt für die Foto-Kunst. Zahllose Fotobildwerke überraschen eher damit, dass diese einen Verleger finden als mit einem gründlichen Befassen dessen, was Foto-Kunst hintergründig bedeuten kann. Selbst meditativ angestrichene Bildwerke weisen Brüche auf, die nur damit zu erklären sind, dass die Fotografen ihr Medium weder selbstkritisch hinterfragen noch in ihrer Kunst leben. Es reicht nicht aus, dem Betrachter grafisch ansprechende oder überraschende Bildelemente in klaren Lichttönen zu präsentieren: Solange keine tiefe Beziehung des Fotografen zu sich und zum Modell (in welcher Gestalt auch immer) besteht, wird auf der zweidimensionalen Bild-Oberfläche rein handwerklich abgebildet, jedoch nicht fotografiert. Vor diesem Hintergrund habe ich - nach 18 Jahren der Vorstudien - von 2004 bis 2007 die ZEN Foto-Kunst formuliert und dokumentiert. Sie gründet auf den Erkenntnissen des ZEN Buddhismus: Werde still, Ende dein Denken, sei gewahr. Erste Regel in der ZEN Foto-Kunst ist somit die Ausbildung stillen, absichtslosen Betrachtens bei geöffneten Sinnen. Allein hierdurch erschliesst sich dem Fotografen eine Welt unendlicher Vielfalt. Die meditative Betrachtung während des Verharrens ermöglicht es, eine Art konditionslose Beziehung zu den Modellen vor unseren Füssen *** aufnehmen zu können.


*** Ein Ozean, das Alpenpanorama überwältigen unsere Sinne. Es ist weder möglich, das Meer, eine Landschaft, einen großen Strom im Gesamt zu erfassen. Allenfalls sind Näherungen möglich, der Hauch von Verstehen.


Die ZEN Fotografie muss nicht explizit Stille oder Leere dokumentieren. Die wortlose Sprache zwischen dem (nicht gesuchten!) Modell und dem Fotografen wird jedoch in der Aufnahme nisten und überdauernd wirksam sein. "Stille Bilder" entstehen im übrigen überzeugend nur dann, wenn sich auch im Fotografen selbst Stille breitet. Den Fotografien beigegeben wird Dichtung - im wörtlichen Sinn: Die knappste - und für die ZEN Foto-Kunst passendste - Form der Lyrik ist das japanische Haiku und besteht aus 17 Silben auf drei Zeilen verteilt. Wort-Dichtung ist deshalb leichthin Begleiter der ZEN Aufnahme als sich dem Fotografen im Augenblick des Auslösens der Kamera eine klare Empfindung vermittelt. Längere Bild- und Wort-Sequenzen können in Dia- oder Beamerschauen beispielsweise mit Original-Geräuschen unterlegt werden. Die Einfügung von Videosequenzen oder die Umkehrung davon (= Videofilm mit Standbildern) bietet sich an (= Videosophie). Wer des Komponierens mächtig ist, wird seine Bild-, Video- und Wort-Sequenzen musikalisch unterlegen. Die ZEN fotografische Übung erfordert ein Zeitmass von mehreren Jahren. Es verkürzt sich durch vorangegangene oder parallel verlaufende ZEN buddhistische Studien. Wem die häusliche Meditation nicht behagt, möge mit den Übungen in der Natur beginnen. ZEN Aufnahmen entstehen allerdings nur dann, wenn die Fototechnik vom Fotografen aus dem Unterbewusstsein heraus beherrscht wird und diese keine Denkvorgänge mehr abverlangt.



Effekte der ZEN fotografischen Übung:
→ Klare, knappe Bildsprache
→ tiefe Zufriedenheit mit seiner Kunst
→ das Leben erhält neue Dimensionen
→ gesteigerte Aufmerksamkeit und Achtsamkeit den Wesen sowie sich selbst gegenüber
→ Ausgeglichenheit, Gelassenheit
→ Aus dem Bauch heraus unmittelbar handeln, abseits des Denkens

Grenzen der ZEN Foto-Kunst:
In der Porträt-Fotografie kann bei erwachsenen Modellen nur selten der diese umgebende psychische Schutzpanzer durchbrochen werden. Nicht beherrschte Digital-, Video- und Ton-Technik beeinträchtigt das Zustandekommen und/oder die Aussagekraft eines Kunstwerks.

Überschreiten des Mediums:
Die Forderung nach Weitung unserer Sinne verlangt geradezu ein peripheres Verlassen der Fotografie: Neben der bereits genannten Haiku-Dichtung bietet sich Spontan-Malerei, die Töpferkunst, spontane Musik- und/oder Lied-Kompositionen an. Handwerkliche Defizite sind zwar dem Kunstschaffen hinderlich, schliessen ein mutiges Betreten fremder Medienfelder aber keinesfalls aus. Das unbegrenzte Terrain der japanischen bildenden Künste soll je nach innerem Ruf beschritten werden; wohlgemerkt: ohne Zwanghaftigkeit oder Verquältheit.


Wird eine Kunst-Äusserung - gleich welcher Art - nicht mit einem tiefkehligem Lachen abgeschlossen, war die Einbringung des Künstlers mangelhaft.

Diese Feststellung mag verwirren; gemeint ist nicht billiges Auslachen, sondern die tiefgründige Freude, die sich durch die Begegnung mit sich / mit der Natur von selbst ergibt.


Das Ende ZEN fotografischen Schaffens:
Dieses liegt ausschließlich am Zeitmass des Lebens: Meine heutige Kunst-Äusserung wird morgen reduzierter, schärfer sein - je nach dem Erblühen meines inneren Vermögens. Desto klarer ich den Quell zu erkennen vermag, umso eindeutiger stellt sich meine Kunstformung und -Aussage dar. Ein "Helfer" ist - außer bei technischen Fragen - entbehrlich. Die letzte Reifung des Künstlers liegt in der Überwindung des Bedürfnisses, Kunst auszuüben: Vermittels der sich allmählich steigernden Gewahrwerdung und Darstellung von Leere (im Bild / im Text ..) gelangt die Künstlerin / der Künstler an die Gestade des "Nichts". Wen dieses Nichts umfliesst, der bedarf keiner Kunstäusserung mehr. Das Leben wird in reine Betrachtung überführt.