ZEN in der Fotokunst
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BILDINHALT und BILDGESTALTUNG in der ZEN Foto-Kunst

Die ideale ZEN Fotografie ist mehrdeutig und/oder zeigt Gegensätzliches. In einer einzigen Aufnahme können sich zum Beispiel Himmel, Erde, Fels vereinigen. "Surrealistische" Aufnahmen (die gleichwohl in realistischer Näherung wurzeln) passen ins Œvre, sofern diese der Bild-Meditation zuträglich sind. Das gilt ebenso für Tonwertumkehrung oder Solarisation. Die Stärke mancher Fotografien kann hierdurch gesteigert werden. Ein weiteres weites Feld der ZEN Foto-Kunst sind Aufnahmen nach den Grundsätzen des japanischen "wabi-sabi"-Begriffs, hier so definiert: Sich Auflösendes, sich Veränderndes, Schatten Tragendes. Beschränkungen hinsichtlich des Motivs sind nicht gegeben. Die ZEN fotografische Bild-Sequenz wird gleich einer Filmregie (Übersicht / Mittelsicht / Nahsicht) geordnet. Eingestreute scheinbar nicht passende, mitunter schockierende Elemente in Bild oder Ton streuen Würze. Der Bildausschnitt wird schon vor dem Auslösen festgelegt, so dass ein nachträgliches Beschneiden die Ausnahme darstellt. Trotz der Forderung nach einer knappstmöglichen Darstellung müssen Ränder so gesetzt sein, dass das Modell nach allen Richtungen hin noch ausreichend Atem behält. Das Fotografieren grosser, leerer Flächen unterstreicht das Meditative. Im Gegensatz zur herkömmlichen Bildgestaltung werden abfliessenden Strukturen zum rechten Bildrand hin meist nicht durch Spiegelung der Aufnahme aufgehalten. Das scheinbar ins Nichts Fliessende symbolisiert sich auflösendes Denken. ZEN Fotografien sind immer auch zur Meditation geeignet.

Schwarzweiss oder Farbe?
Die visuelle Dokumentation der Begegnung mit - fast immer bunten - Geschöpfen wird durch eine Umwandlung ins Monochrome vielfach geschwächt. Gleichwohl muss eine ZEN fotografische Bildsequenz dann in Schwarzweiss umgewandelt werden, wenn die Färbung zum Beispiel von Schneeflächen je nach Stand des Fotografen zur Sonne starke Unterschiede aufweist und sich somit eine uneinheitlich gefärbte Bildfolge ergibt.

Willkürliche Bild- oder Farbveränderungen:
Besonders bei der digitalen Bildbearbeitung locken die - meist simpel zu bedienenden - Werkzeuge zur Verfremdung oder starken Veränderung der Aufnahme. In der ZEN Foto-Kunst gilt, das Foto grundsätzlich so zu belassen wie es aufgenommen wurde. Das schliesst eine - bestmögliche! - Bildbearbeitung hinsichtlich des Kontrastumfanges, der Färbung, des Heraushebens (oder Milderns) von Strukturen, ein Retuschieren von kleinen, den Gesamteindruck der Fotografie störenden Bildelementen ausdrücklich nicht aus. Bildspiegelungen werden dann gesetzt, wenn die Bildaussage hierdurch Stärkung erfährt.



Zur Unterscheidung Fotografie - ZEN Foto-Kunst

Der herkömmliche, dem Knipser entwachsene Fotograf
→ bildet nach Denkprozessen Oberfläche rein handwerklich ab
→ mag Meister seiner Kamera, aber nicht Meister seiner Selbst sein
→ ergreift seine Modelle, formt diese nach seinen Wünschen
→ stellt willkürlich zusammen
→ genügt sich in der Zweidimensionalität der fotografischen Darstellung
→ erschöpft seine Kreativität in der Ausbildung von "Maschen" oder vorgedachten
     Bildsequenzen.

Der ZEN Fotograf
→ formt seine Fotografien absichtslos ohne Einschaltung von Denkvorgängen aus sich
     heraus
→ bringt sich mit seinem Wesen umfassend in den künstlerischen Schöpfungsprozess ein
→ giert nicht nach "tollen Fotos"
→ ergreift nicht die Modelle; diese begegnen ausnahmslos ihm
→ stellt nicht willkürlich zusammen, sondern belässt die natürlichen Gegebenheiten
→ umkränzt seine Fotografien mit weiteren Medien (Dichtung, Töne ..), schärft hierdurch
     seine Sinne und überwindet gleichzeitig die Zweidimensionalität der Fotografie
→ erstrebt (ohne Streben) ein Leben in völliger Gewahrsamkeit


Die "Wahrheit" in der Fotografie
Unbestritten wird die Fotografie als "wahrhaftig" bezeichnet; kein Medium bildet schärfer, objektiver, wahrheitsgetreuer ab. Beim Porträt bleibt kaum ein Pickel verborgen, jedes Fältchen findet sich - meist zum Ärger der Abgebildeten. Aus welchem Kern indes soll Kunst - zu der ich die Fotografie zähle - spriessen inmitten der objektiven Schärfe der Aufnahmen? Zuvörderst bildet handwerkliche Fertigkeit die fotografierte Oberfläche ab; erst durch künstlerische Bildaufteilung und Licht-Regie, durch Hinzufügen und/oder Weglassen wird aus objektiver Abbildung subjektive Kunst. Auch der oberflächliche Betrachter fotografischer Bilder wird jedoch nach kurzem Überdenken feststellen: Hier gründen weder Wahrheit noch Objektivität: Ein Foto ist lediglich zweidimensional - bei unendlich vielen existierenden Dimensionen. Objektivität hiesse: Den Künstler entbehren; seine (notwendige) Anwesenheit indes mischt unfehlbar Subjektives in seine Aufnahme hinein. Welche "Wahrheit" verbirgt sich dann in der Fotografie? Gegen Null tendierend! ist eine Untertreibung. Jedes Foto - und sei dieses selbst im "Hier und Jetzt" - entstanden - ist stammelnde Wähnung, seine Oberfläche ein fast blinder Spiegel. Wer die Wahrheit einer Stubenfliege im Bild und/oder Wort darstellte, bewegte Welten, und: der fliegenwahrheitserkennende Künstler verlöre im Moment jedes Interesse an bildender Kunst - und müsste zugleich den Ruf eines Spinners gewärtigen. Was also können wir von der Foto-Kunst erwarten? Eine fortdauernde Selbsterziehung von der Oberfläche hin zum Kern, von der Zwei- zur Vieldimensionalität. Selbsterziehung meint sinnfreie Betrachtung und - nicht bewertendes - Leben. Die dabei geschöpften Kunstwerke sind Abfallprodukte; an ihnen zu hängen hiesse Stillstand, sie sind lediglich Chiffren der Fortentwicklung des Künstlers. Zum Fotografen muss sich neben einem offenen Wesen noch das Attribut von Aufmerksamkeit gesellen; nur blitzschnelle, gedankenleere Reaktion vermag as Licht mitsamt dem Modell (jedweder Gestalt) derart zu verschmelzen, dass dieses gleichsam neu ersteht, in voller, unverwechselbarer Körperlichkeit; heisst letzlich: Ehrlichkeit und Wahrheit in unsere Kunst zu säen. Wir nähern uns somit gleichermassen unserer eigenen Ehrlichkeit, unserer eigenen Persönlichkeit. In der Übung von Achtsamkeit liegt die Chance zur dauerhaften inneren Stabilität: Über die Formung der Kunst werden unsere Augen geöffnet, unsere Sinne geschärft und geläutert; wir sind fähig zu tiefer Begegnung, rücken um einen Sekundenzeigerschlag der "Wahrheit" näher. Dem sinnfreien Nachsinnen entraten Funken, die dem "Dahinter", dem "Dazwischen" (beide nicht örtlich gemeint) entsprühen. Wem dies "geschieht", dem wird jedes daraus ergründetes Atom des "Nichts" zu qualitativem Mehr: Griffel, Pinsel, der Fotoapparat verlieren irgendwann ihren - skizzierenden - Wert:

Schleier zerreissen.
Wesentlich.
Sein.